In diesem Blog geht es um die Liebe zum Design für Musik – und die Gefahr, dass sie verschwindet.
Musik kann man heute überall streamen. Aber kaum noch anfassen. Und genau das fehlt mir. Früher war ein Album mehr als Songs. Es war ein Erlebnis aus Klang, Haptik und Gestaltung.

Warum diese Liebe zur Musik

Zuerst einmal zu Musik selbst und warum mir das Thema so wichtig ist: Ich bin sehr verbunden mit der Singer-Songwriter-Szene. Mein Partner ist professioneller Musiker und Liederschreiber. Gemeinsam haben wir einen Verein gegründet, um diese Kultur zu fördern und Live-Musik lebendig zu halten. Letztes Jahr haben wir ein Songwriting-Festival in unserer Gemeinde organisiert. Es hat mir gezeigt, wie schön und wohltuend diese Form der musikalischen Begegnung ist, für die Künstler:innen wie auch für die Gemeinschaft.

Album Cover und CD Design
Unterschiedliche Skizzenzeichnungen

Skizzen und Zeichnungen für ein Coverdesign

Musik trifft auf Gestaltung: Merch eine wichtige Einnahmequelle

Live-Musik ist für mich die ehrlichste Form, Musik zu erleben. Sie ist nicht ersetzbar, nie gleich und berührt auf eine ganz besondere Weise. Und will man sich nach einem gelungenen Konzert noch mehr gönnen, dann kann man sich als Fan an Verkaufsprodukten wie T-Shirts, CDs, Vinyl, Sticker, Poster und mehr bereichern. Diese Produkte sind eine wichtige Einnahmequelle und besonders für unabhängige Künstler:innen leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Finanzierung. Zum Streaming Plattform Vergleich: Ein Album für 15 Euro direkt vom Künstler entspricht 4.500 Spotify-Streams. Ein Stream wird mit 0,0033 Cent vergütet. Selbst davon kommen oft noch Abzüge wie Label, Songwriter-Splits oder Distro-Gebühren dazu. Das heißt, selbst bei 100.000 Streams bleibt nur wenig übrig. Merch ist lukrativer, denn beim Streaming stimmt das Verhältnis einfach nicht. Es ist weit entfernt von Fair Pay.

Delphinzeichnung in Skizzenheft

Streaming und das Problem mit dem Wert

Genau beim Fair-Pay-Gedanken scheitert nämlich Streaming. Musik ist zwar unkompliziert digital verfügbar, doch das System dahinter ist ausbeuterisch. Für Hörer:innen mag es praktisch und günstig sein. Für die Mehrheit der Künstler:innen ist es oft destruktiv und ein Minusgeschäft.

Täglich werden ca. 100.000 neue Tracks (!) auf Spotify hochgeladen, davon eine massive Anzahl reiner KI-generierter Produktionen. Diese drängen echte Künstler:innen aus dem Algorithmus. Dazu steht Spotify im Ruf, indirekt in Kriegsmaschinerie zu investieren. Streaming entkoppelt Musik von ihrem Wert. Sie wird leicht verfügbar, aber weniger erlebbar. Der Markt belohnt vor allem die Großen, nicht jene, die Musik mit Herz machen.

 

Das Ende der CD?

Der Verkauf von Musik auf physischen Tonträgern wird aber immer schwieriger. Alben erscheinen seltener. Die Tendenz geht in Richtung einzelner Single-Releases, die alle paar Monate auf Streaming-Plattformen veröffentlicht werden. Coverdesigns erscheinen nur noch als Miniaturbilder in einer Masse aus Songs. Es ist extrem schwierig geworden, Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Was mich besonders schmerzt, ist das Verschwinden der CD. Neue Autos kommen ohne CD-Player und zu Hause stehen kaum noch Geräte. Die letzte Rückzugsinsel dieses Mediums löst sich langsam auf. Vinyl erlebt zwar eine Renaissance, was mich freut, doch für viele unabhängige Musiker:innen sind Pressung und Vertrieb zu teuer.
Dabei hat ein physisches Produkt, am besten handsigniert, einen unschätzbaren Mehrwert. Wenn ich eine CD in den Händen halte, gehört diese Musik wirklich mir. Sie ist Teil meiner Sammlung, meiner Erinnerungen und meiner realen Momente. Das fühlt sich gut und ehrlich an.

Albumcover und Booklets: Nostalgische Erinnerungen

Als Grafikdesignerin fühlt sich das Verschwinden der Albumcover an wie ein stiller Abschied von einer kleinen Kunstwelt. Gut gestaltete Cover haben mich früher oft dazu motiviert, ein Album zu kaufen. Die Verpackung und das Design waren meine erste Verbindung zur Musik, noch bevor ich sie abgespielt habe.

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Album Mitte der 90er: „What Is Love“ von Haddaway – ja genau das (und ich steh dazu :D). Ich war begeistert, das Booklet aus der Hülle zu ziehen, Bilder zu betrachten, Songtexte zu lesen und die Musik dadurch besser zu verstehen. Ich würde fast behaupten, dass ich mein Englisch dadurch ein bisschen aufpeppeln konnte. Denn das, was ich verstanden habe, und das, was die Texte tatsächlich waren, ist manchmal auseinandergedriftet. Zwar habe ich keine Agathe Bauer aus „I’ve Got the Power“ gemacht, aber ich glaube, es ging trotzdem manchmal in eine lustige Richtung.

Jedenfalls konnte man dieses kleine Kunstwerk in den Händen halten, während die Musik lief. Heute gestalte ich solche Booklets selbst. Das ist etwas, das die kleine Sabine der 90er-Jahre damals nie für möglich gehalten hätte. Sie wäre sehr glücklich darüber.

 

Albumdesign: Ein besonderer Arbeitsprozess

Das Design eines Albums ist ein intensiver, kreativer Prozess. Ich höre die Musik, nehme die Stimmung auf und finde Bilder, Farben und Formen dazu. Dann beginne ich mit der konzeptionellen Arbeit – ähnlich wie beim Branding. Welche Atmosphäre soll die Gestaltung vermitteln? Welche Farben und Grafiken greifen die Essenz der Musik und der Texte auf? Wie kann das Design die Persönlichkeit und Botschaft der Künstler:innen widerspiegeln?

Mein jüngstes Projekt war „Lessons in Light“ von Shane Ó Fearghail and the Host. Ich kenne die Gruppe persönlich, war bei den Studioaufnahmen dabei und durfte sogar als „Harmony“ mitsingen. Das hat meine Designarbeit natürlich beeinflusst. Meine Liebe zu Harmonien lebe ich nicht nur in Farben und Gestaltung aus, sondern sehr gerne auch in der Musik.

Bleibt Coverdesign, auch wenn die CD verschwindet?

Wenn CDs verschwinden, Vinyl nicht für alle leistbar ist und Alben immer seltener werden, was dann? Vielleicht liegt die Zukunft irgendwo dazwischen. Gerade bei Live-Musiker:innen bleibt Merch eine wichtige Einnahmequelle.
Vielleicht in Form eines liebevoll gestalteten Packages, das keinen Tonträger, sondern einen einmaligen Download-Code enthält. Ein haptisches Objekt mit Booklet und Kunst, nur digital verbunden. Oder über Klassiker wie Poster, T-Shirts oder Taschen, die die visuelle Identität einer Musikerin oder eines Musikers transportieren.

Musik & Gestaltung bleiben ein starkes Duo

Ich wünsche mir, dass die Verbindung zwischen Musik und Design erhalten bleibt. Dass wir Musik wieder bewusst erleben, mit allen Sinnen und offenem Herzen. Dass wir das Haptische, das Unperfekte und das Persönliche wieder mehr schätzen. Vielleicht verschwindet die CD, aber Kunst, die man in den Händen hält, bedeutet mehr als ein Klick auf Play. Wer die Möglichkeit hat, Merch direkt von unabhängigen Künstler:innen zu kaufen, sollte nicht zögern. Denn so landet die Unterstützung dort, wo sie hingehört, bei den Menschen, die Musik schaffen. Ich hoffe sehr, dass Design für Musik weiterhin am Leben bleibt. Denn manche Bands, von den Beatles über Pink Floyd bis Nirvana, wurden nicht nur durch ihre Songs, sondern auch durch ihre ikonischen Albumcover unsterblich.

Ich gestalte jedenfalls gerne weiter für die Musik, sei es Print oder Digital. Für diese Verbindung zwischen Klang und Gestaltung – und der Zusammenarbeit mit Kreativen aus der Musikbranche – brenne ich.

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